STUGGI.TV DeepDive: Ist die ursprüngliche Idee des Bürgergelds gescheitert?
Respekt, mehr Chancen, Sicherheit und Freiheit – das Bürgergeld galt noch vor zwei Jahren als die größte Sozialreform seit langem. Doch inzwischen gab es viel Kritik am Bürgergeld. Was ist heute, ziemlich genau zwei Jahre nach der Einführung des Bürgergelds, noch von dieser ursprünglichen Idee übrig? Und welche Auswirkungen könnten die anstehenden Neuwahlen auf die Sozialreform haben? Das wollen wir gemeinsam mit Dr. Christopher Osiander vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausfinden.
Nach zwei Jahren Bürgergeld – Chancen, Kritik und die Realität
Mit der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023 wollte die Ampel-Koalition einen Schritt in Richtung einer umfassenden Sozialreform machen. Zu Beginn wurde viel versprochen: Mehr Geld für weniger Auflagen, neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weniger bürokratische Hürden und über allem stand mehr Respekt für die Bürgergeld-Empfänger. Seitdem hat sich allerdings so einiges verändert. Inzwischen gab es viel Kritik am Bürgergeld und auch Vorschläge, Jobverweigerern, Schwarzarbeitern oder Ukraine-Flüchtlingen Leistungen zu streichen. Denn immer wieder wird kritisiert, dass Bürgergeld-Empfänger Arbeit ohne triftigen Grund ablehnen würden, da es sich für sie mehr lohnen würde, die Sozialleistung zu beziehen, als arbeiten zu gehen. Dr. Christopher Osiander erzählt uns, ob an dieser Kritik etwas dran ist.
Auf Augenhöhe mit den Bürgergeld-Empfängern: Klappt das?
Die Ampel wollte mit dem Bürgergeld gegen eben dieses Stigma des Systems angehen. Durch die Reform der Grundsicherung sollte es mehr Respekt für die Leistungsberechtigten geben. Sie sollten durch das Bürgergeld mehr Chancen und neue Perspektiven in einer sich wandelnden Arbeitswelt aufgezeigt bekommen. Kurzum: Der Staat sollte auf Augenhöhe mit den Bürgergeld-Empfängern stehen. Trotzdem verspüren Bürgergeld-Empfänger oft Druck, so schnell wie möglich Arbeit finden zu müssen und werden auch von der Gesellschaft stigmatisiert. Auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, kann als persönliches Scheitern angesehen werden und ist schambehaftet. Wir haben mit einem Leistungsempfänger darüber gesprochen, welche Auswirkungen das Stigma des Bürgergeld-Systems auf sein Selbstbild hat und wie er mit den Vorurteilen gegenüber Bürgergeld-Empfängern umgeht.
Foto: STUGGI.TV